KI & Automatisierung

KI-Kompetenz schulen: Was nach der Änderung 2026 gilt und was sinnvoll ist

KI-Kompetenz bedeutet, dass die Menschen in deinem Unternehmen KI-Werkzeuge sachkundig nutzen und ihre Chancen und Risiken einschätzen können. Seit dem 27. Juli 2026 verlangt Art. 4 der KI-Verordnung von Unternehmen, diese Kompetenz zu fördern. Ein bestimmtes Niveau müssen sie nicht mehr garantieren.

Blaupausen-Zeichnung: Schild mit KI-Chip, daneben ein aufgeschlagenes Buch und eine abgehakte Checkliste
Das Wichtigste in Kürze
  • Art. 4 der KI-Verordnung (EU) 2024/1689 regelt die KI-Kompetenz von Personal, das KI-Systeme im Auftrag des Unternehmens nutzt.
  • Durch die Verordnung (EU) 2026/1744 gilt seit dem 27.07.2026 eine abgeschwächte Fassung: Unternehmen müssen KI-Kompetenz fördern, nicht mehr sicherstellen.
  • Die Pflicht ist damit nicht weg. Schulung bleibt der naheliegende Weg, sie nachvollziehbar zu erfüllen.
  • Wirksam ist Schulung, die an den echten Aufgaben im Unternehmen ansetzt, nicht an Tool-Funktionen.

Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Rechtslage am 23.09.2026 und ist keine Rechtsberatung. Für verbindliche Aussagen zu deinem Unternehmen wende dich an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt.

Was ist KI-Kompetenz?

KI-Kompetenz umfasst die Fähigkeiten, das Wissen und das Verständnis, um KI-Systeme sachkundig einzusetzen und sich ihrer Chancen und Risiken bewusst zu sein. Im Arbeitsalltag heißt das zum Beispiel: Ergebnisse eines Sprachmodells prüfen statt blind übernehmen, wissen, welche Daten nicht in ein externes Tool gehören, und erkennen, wofür KI gut geeignet ist und wofür nicht.

Was Art. 4 der KI-Verordnung jetzt verlangt

Die KI-Verordnung der EU (Verordnung (EU) 2024/1689) enthält in Art. 4 eine Regel zur KI-Kompetenz. Sie galt seit dem 2. Februar 2025 und verlangte von Anbietern und Betreibern, nach besten Kräften sicherzustellen, dass ihr Personal über ausreichende KI-Kompetenz verfügt.

Mit der Verordnung (EU) 2026/1744, dem sogenannten Digital Omnibus zur KI, wurde Art. 4 neu gefasst. Die neue Fassung gilt seit dem 27. Juli 2026.

Bis 26.07.2026Seit 27.07.2026
Kern der PflichtAusreichende KI-Kompetenz nach besten Kräften sicherstellenMaßnahmen ergreifen, um KI-Kompetenz zu fördern
NiveauAusreichendes Niveau als ZielKein bestimmtes Niveau muss garantiert werden
UnterstützungKeine ausdrückliche RegelKommission und Mitgliedstaaten unterstützen, die Kommission soll praktische Beispiele veröffentlichen

Wichtig: Die Pflicht ist abgeschwächt, aber nicht gestrichen. Wer KI-Systeme beruflich einsetzt, muss weiterhin etwas für die KI-Kompetenz der Beteiligten tun. Welche Maßnahmen das sind, lässt das Gesetz offen. Berücksichtigt werden sollen technische Kenntnisse, Erfahrung, Aus- und Fortbildung sowie der Kontext, in dem die KI eingesetzt wird.

Warum Schulung trotzdem sinnvoll ist

Die rechtliche Seite ist nur ein Grund. Die praktischen Gründe wiegen schwerer:

  • Bessere Ergebnisse: Wer weiß, wie man Aufgaben für KI formuliert und Ergebnisse prüft, spart tatsächlich Zeit.
  • Weniger Risiko: Klare Regeln zu Daten, Vertraulichkeit und Prüfung verhindern teure Fehler.
  • Einheitlicher Stand: Ohne Schulung nutzt jede Person KI anders, und niemand weiß, wie gut.
  • Nachvollziehbarkeit: Eine dokumentierte Schulung zeigt, dass das Unternehmen etwas zur Förderung der KI-Kompetenz getan hat.

Was eine gute KI-Kompetenz-Schulung enthält

  1. Grundlagen: Was KI-Systeme können und wo ihre Grenzen liegen, zum Beispiel warum ein Sprachmodell überzeugend klingende, aber falsche Antworten geben kann.
  2. Eure Werkzeuge: Welche KI-Tools im Unternehmen erlaubt sind und wofür.
  3. Daten und Vertraulichkeit: Welche Informationen in welche Tools dürfen und welche nicht.
  4. Prüfen statt übernehmen: Wie Ergebnisse kontrolliert werden, bevor sie an Kunden oder in Entscheidungen gehen.
  5. Eure Anwendungsfälle: Übungen mit echten Aufgaben aus dem eigenen Alltag, nicht mit Beispielen aus dem Lehrbuch.

Rollenbasiert statt alle gleich

Art. 4 stellt ausdrücklich auf Kenntnisse, Erfahrung und Einsatzkontext ab. Eine Einheitsschulung für alle passt deshalb selten. Sinnvoll ist ein gemeinsamer Grundlagenteil und danach ein kurzer Teil pro Rolle: Vertrieb, Marketing, Service und Verwaltung nutzen KI unterschiedlich und haben unterschiedliche Risiken.

So bleibt die Schulung nachvollziehbar

Am einfachsten läuft eine KI-Kompetenz-Schulung in einer digitalen Lernumgebung: kurze Lektionen, ein Wissenstest pro Einheit und ein automatischer Abschlussnachweis mit Datum. Neue Mitarbeitende durchlaufen die Schulung im Onboarding, bestehende Teams bekommen Auffrischungen, wenn sich Werkzeuge oder Regeln ändern. Wie das technisch aussieht, beschreibt der Artikel Mitarbeiterschulung digitalisieren.

Fazit

Seit dem 27. Juli 2026 ist die KI-Kompetenzpflicht weicher formuliert: fördern statt sicherstellen. Für Unternehmen, die KI ernsthaft nutzen wollen, ändert das wenig. Ein Team, das KI sicher und gezielt einsetzt, ist die Voraussetzung dafür, dass sich KI im Alltag überhaupt lohnt. Welche Schritte vor und nach der Schulung kommen, liest du in KI im Unternehmen einführen.

Häufige Fragen

Ist eine KI-Kompetenz-Schulung Pflicht?

Art. 4 der KI-Verordnung verpflichtet Anbieter und Betreiber von KI-Systemen, Maßnahmen zur Förderung der KI-Kompetenz ihres Personals zu ergreifen. Seit der Änderung vom 27.07.2026 muss kein bestimmtes Niveau mehr garantiert werden. Eine bestimmte Schulungsform schreibt das Gesetz nicht vor, Schulungen sind aber der naheliegende Weg. Für deinen Einzelfall solltest du rechtlichen Rat einholen.

Was hat sich durch den Digital Omnibus geändert?

Die Verordnung (EU) 2026/1744 hat Art. 4 mit Wirkung zum 27.07.2026 neu gefasst. Statt KI-Kompetenz nach besten Kräften sicherzustellen, müssen Unternehmen sie nun fördern. Kommission und Mitgliedstaaten sollen diese Bemühungen unterstützen.

Wer muss geschult werden?

Nach Art. 4 geht es um das Personal und weitere Personen, die im Auftrag des Unternehmens mit dem Betrieb und der Nutzung von KI-Systemen befasst sind. Praktisch betrifft das alle, die KI-Werkzeuge beruflich einsetzen.

Wie dokumentiere ich KI-Schulungen?

Am einfachsten über eine digitale Lernumgebung: Wer eine Einheit mit Wissenstest abschließt, ist mit Datum erfasst. Ergänzend helfen eine interne KI-Richtlinie und ein Überblick, welche KI-Werkzeuge wofür genutzt werden.

Fabian Habich
Fabian Habich

Maschinenbauingenieur mit Master in Kunststofftechnik und MBA, sieben Jahre Team- und Abteilungsleitung in der Industrie. Seit 2019 baut er digitale Vertriebs-, Schulungs- und KI-Systeme. Mehr über Fabian

Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung erstellt.

Teilen: